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Segelwetter - Winde im Mittelmeer

Schirokko - Südwind aus Nordafrika

Der Schirokko (auch Jugo genannt, in der Türkei "Lodos") ist ein heißer Wüstenwind aus südlichen Richtungen. In Spanien heißt er Leveche, im Golfe de Lion Marin, in Marokko, Algerien und Tunesien Chili.
An der nordafrikanischen Küste startet er trocken und heiß; über dem Mittelmeer nimmt er Feuchtigkeit auf und wird deshalb weiter im Norden sehr schwül. Meistens zeigt er sich im Frühjahr und Herbst.

Anzeichen: Das Barometer fällt langsam, die Luft wird bleiern, oft steigt die Luftfeuchtigkeit an. Er setzt leicht ein und hat nach 36 - 48 Stunden seine volle Stärke erreicht. Charakteristisch für den Schirokko ist, daß er gleichmäßig weht, dadurch ist er weniger gefährlich für die Segler. Der Schirokko weht oft im Frühjahr, im frühen Sommer und Herbst.
Der trockene Schirokko bringt außerordentlich feuchtigkeitsarme, staubführende, heiße Luft aus der Sahara oder der Arabischen Wüste heran. Er ist im Extremfall mit schwerem Sand- oder Staubsturm verbunden.
Wo diese heiße Luft einen langen Weg über das Meer zurückgelegt hat (Sizilien, Süditalien, Golfe de Lion), reichert sie sich unterwegs mit Feuchtigkeit an. Diesen Wind bezeichnet man als feuchten Schirokko. Es ist nun sehr diesig und schwül. Der feuchte Schirokko wird besonders im Sommer als unangenehm empfunden wegen seiner erschlaffenden Wirkung.

Je größer der Temperaturunterschied ist, desto stärker wird der Scirocco. Windstärke 7 oder gar Sturmstärke werden auf See bei Schirokkolagen nur selten erreicht, oft aber 6 Btf. Der Schirokko tritt im Warmsektor von Tiefdruckgebieten auf, die meist über Nordafrika entstehen, wenn Kaltluft bis in die Sahara vorstößt. Mit dem Wandern des Tiefs schreitet der Schirokko in der Regel von W nach O fort und dauert daher logischerweise um so länger, je langsamer das Tief zieht.

Bora - Adria

Die Bora ist eine Frau (kroatisches Sprichwort).
Tatsache und eine Binsenweisheit ist: In der Adria gibt es entweder keinen Wind oder zu viel. Ein tückischer Wind ist die Bora: Wie ein Blitz aus buchstäblich heiterem Himmel fällt sie über die Segler her. Wehe dem, der nicht die Vorzeichen kennt und rechtzeitig gerefft hat! Etliche tragische Unglücksfälle sind auf das Konto der Bora zu buchen.
Man unterscheidet zwei Arten von Bora:

Die "Schwarze Bora" (zyklonale Bora), ausgelöst durch ein Tief über Oberitalien.
Die "Weiße Bora" (antizklonale Bora), ausgelöst durch ein Hoch üner der Ukraine.

Die Bora ist ein trockener, kalter Fallwind der ähnlich wie der Mistral im westlichen Mittelmeer, plötzlich und mit großer Heftigkeit und Hammerböen aus NO bis O einsetzt, und das alles bei blauem Himmel, normalem Barometerstand und niedriger Luftfeuchtigkeit! Die Bora entsteht infolge Abkühlung der Luft in den Karsttälern Kroatiens. Diese kalte Luft stürzt dann als Fallwind die Hänge der Karstgebirge herunter. Sie tritt zu jeder Jahreszeit auf, kommt aber häufiger im Winter vor, wo sie oft Sturmstärke erreicht. Es ist keine Seltenheit, daß sie auch im Mai weht. Im Sommer dauert sie jedoch meist nur 2 Tage, während sie im Winter mit Unterbrechungen bis zu 14 Tagen weht. Bora ist nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden, sie setzt aber häufiger nachmittags als vormittags ein. Ihre größte Stärke erreicht sie zwischen 7 und 11 Uhr und zwischen 18 und 22 Uhr. Charakteristisch für die Bora ist, daß sie in wuchtigen Böen weht und urplötzlich einsetzt. Ihre Geschwindigkeit variiert vom leichten Windhauch bis zum Sturm (80 - 100 km/h). Die kalten Luftmassen, die schwerer sind als die über der See liegenden stürzen die Berghänge herab und fallen in schräger Richtung wasserfallartig zur See herab. Die Wellenkämme werden zu Schaum gepeitscht, zerstäubt und in Dunstwolken (Fumarea) fortgerissen. Diese Gischt kann so stark werden, daß die Sicht verringert wird.
Wird der an und für sich schon starke und böige Wind durch Fallböen verstärkt, wie das an der jugoslawischen oder griechischen Küste der Fall ist, können außerordentlich heftige Böen auftreten: In der Bucht von Triest wurden schon 110 kn gemessen! Warnung: Kahle Abhänge auf der dem Festland zugewandten Seite einer Insel bedeuten, daß die Bora in dieser Gegend sehr gefährlich ist. Buchten am Fuß der Gebirge bieten keinen Schutz; im Gegenteil erreicht hier die Bora Orkanstärke!!
Anzeichen: In Küstennähe erkennt man eine Wolkenwalze auf den Bergkuppen. Auf ein Einsetzen der Bora kann man aber erst dann sicher schließen, wenn sich aus dieser Wolkenwalze Fetzen lösen.
Auf See lassen von Osten kommende Schaumkronen auf die herannahende Bora schließen. Wenn diese Schaumkronen in einiger Entfernung sichtbar sind, sollte schnellstens gerefft werden!! Es ist nämlich jetzt schon fast zu spät. Die kroatischen Rundfunksender strahlen Borawarnungen aus, wenn Wind mit mehr als 30 kn Gschwindigkeit erwartet wird.
Die Bora kann kurzzeitig blasen, aber auch im Sommer bis zu fünf Tage lang. Böen von 50 kn sind schon gemessen worden. In Küstennähe ist sie sehr böig, draußen auf See weht sie gleichmäßiger, veruracht aber erheblichen Seegang, der sich dann bis zur italienischen Küste auswirkt.
Gebiete mit besonderer Bora-Häufigkeit: Golf von Triest, Golf von Rijeka und Kvarner Golf, Senj mit Velebitski-Kanal, Gebiet um Sibenik, Gebiet um Split, Nordküste der Halbinsel Peljesac und das Gebiet um Dubrovnik. Wenn Sie in diesen Gebieten segeln, haben Sie immer ein wachsames Auge auf die Berge und nach Osten und Nordost!

Maestral - Adria

Der Maestrale wird oft als Synonym für den Mistral genannt. In der östlichen Adria ist er kein kalter Fallwind sondern ein thermischer Wind, der sogenannte Seewind, der nur tagsüber weht. Während des Tages erwärmt sich die Oberfläche des Festlandes schneller als die der See, und infolgedessen kommt es zu einer aufsteigenden Strömung über dem Festland, die aus einer bestimmten Entfernung vom Festland wieder zur See herabströmt, und so den Kreislauf Festland - See schließt. In den unteren Luftschichten entwickelt sich ein von See her wehender Wind, der sog. Smorac oder Maestrale. Der Maestrale wird gewöhnlich von charakteristischen weißen Wolken schwacher vertikaler Entwicklung begleitet. Normalerweise setzt der Maestrale zwischen 9 und 10 Uhr ein. Gegen 14 Uhr erreicht er sein Maximum und schläft gewöhnlich vor Sonnenuntergang (gewöhnlich bis 18 Uhr, in Abhängigkeit von der maximalen Tagestemperatur der Seeoberfläche) ein. An der W-liche Adriaküste weht er am stärksten gegen 16 Uhr und dauert oft bis in die Nacht, wobei sich gewöhnlich auch rauhe See entwickelt. Der Maestrale wird von schönem Wetter begleitet und mindert dabei beträchtlich die Sommerschwüle. Gewöhnlich weht er als milder Wind (Bft. 4-5). Im Golf von Triest ist er am schwächsten, gegen S hin wird er immer stärker, und in der Otranto-Straße erreicht er die Stärke von Bft. 6-7 bei sehr grober See. Manchmal weht er mit stürmischer Stärke (sog. Maestralun) und zwar infolge eines Zyklonendurchgangs.

An der kroatischen Küste weht dieser Wind hauptsächlich aus NW, abhängig von lokalen Verhältnissen schwenkt er auch bis WNW und an der albanischen Küste sogar bis W. An der italienischen Küste weht er gewöhnlich aus E und stellenweise auch aus SE. Im Laufe des Tages ändert er seine Richtung im Uhrzeigersinn, d.h. der Sonne nach.

Der Burin ist das Gegenteil des Maestrals: Bei Nacht kann man bemerken, daß die Luft ebenfalls in einem geschlossenen Kreis strömt wie bei Tag, aber nur in entgegengesetzter Richtung. Über dem Festland kühlt die Luft schneller ab als über der See, so daß nachts der Wind vom Festland zur See weht, der sog. Burin. Er entwickelt sich nach Sonnenuntergang und verschwindet gewöhnlich mit Sonnenaufgang. In den N-lichen Gebieten der E-lichen Adria-Küste weht er aus NNE bis ENE, in den S-lichen Gebieten mehr aus E.
Der Burin ist gewöhnlich schwächer als der Maestrale, er kann aber in manchen Gebieten (z.B. bei Bol auf der Insel Brac, bei Zuljana auf Peljesac) eine Stärke von Bft. 5 erreichen.

Meltemi - Ägäiswind Türkei und Griechenland

Der Meltemi, schon den alten Griechen als Etesien (kommt von 'etos', jährlich) bekannt, ist ein Schönwetterwind, der aus nördlichen Richtungen weht und im Sommer als angenehm kühlend empfunden wird. Entstehung: Er hat seinen Ursprung in der nördlichen Ägäis: Luftmassen aus dem Hochkeil über Balkan und Ungarn strömen in das über dem Persischen Golf liegende Mosuntief. Unterstützend und beschleunigend auf diesen recht zuverlässigen Wind wirkt oft ein Hitzetief über der Zentraltürkei. Meltemi bringt stets heiteres Wetter und gute, klare Sicht mit sich.

Eine typische Meltmi-Wetterlage im Navtex:

HIGH PRESSURES 1023 HPA ARE COVERING NORTHEAST BALKANS
AND LOW PRESSURES 1010 HPA SOUTHEAST TURKEY

Vorkommen: Der Meltemi weht hauptsächlich in den Sommermonaten, sein Maximum erreicht er in den Monaten Juli / August. Die Wahrscheinlichkeit ist von Juni bis September 70%. Üblicherweise setzt er am Vormittag ein und weht bis zum Sonnenuntergang. Es kann aber auch (und das ist gar nicht so selten!) sein, daß er tagsüber mit 6 - 8 Bft. bläst, die Nacht durchsteht und am nächsten Tag wieder mit 6 - 8 'ballert'. Meltemi ist aber auch schon im Mai oder noch im Oktober möglich.
Der Meltemi weht im nördlichen und mittleren Teil der Ägäis aus Norden und fächert dann wie eine gigantische Bö aus. Im Osten (Dodekanes - Rhodos) weht er aus NW, um dann im östlichen Mittelmeer auszulaufen. Nahe des Peloponnes ist der Meltemi etwas zahmer und weht aus NE. In den großen Buchten (Gökova-Golf, Güllük-Golf) der türkischen Westküste dreht er auf West.
Der Meltemi bringt durchschnittlich 4 - 5 Bft., kann aber auch (Warnung!!) tagelang mit acht und mehr Windstärken wehen. Daher wird die Ägäis nicht als Revier für Anfänger empfohlen, auch routinierte Segler haben nicht selten Probleme. Insbesondere in Lee der griechischen Inseln, wo man sicher zu sein glaubt, hämmern die Fallböen auf die Schiffe ein und haben (Tinos, Andros) schon manches Schiff auf den Grund geschickt.

In manchen Gegenden, wie z.B. im Saronischen und Argolischen Golf, kann man auch noch zwischen "warmem" und "kaltem" Meltemi unterscheiden, wobei der warme Meltimi wesentlich böiger und intensiver ist als sein kühler Kollege. Wenn sich der Wind am Morgen also föhnig anfühlt, dann sollte man gleich ein Reff mehr einbinden/rollen.

Die Windstatistik zeigt, daß der Meltemi doch ein berechenbarer ist, als es scheint:

    • Beste Aussichten auf anhaltende Meltemi-Perioden im Frühjahr: Ende Mai bis Anfang Juni.
    • Beste Aussichten aufanhaltende Meltemi-Perioden im Sommer: Mitte Juli bis Mitte September.
    • Im Herbst sind mehrtägige Meltemi-Perioden häufiger als im Frühjahr.
      In der Nacht weht der Wind mit durchschnittlich 3, tagsüber im Mittel mit 4 bis 5 Bft.
      Typische Meltemi-Richtungen:
    • Nord-Ägäis: Nordost
    • Zentral- und Süd-Ägäis: Nord
    • Dodekanes: Nordwest

Im Verlauf einer mehrtägigen Meltemi-Periode sind die Winde zu Beginn immer am stärksten und werden dann von Tag zu Tag schwächer.

Berüchtigte Wind-Ecken:

    • Generelle Gefährdung durch Fallwinde: Südseiten kahler Kykladen-Inseln; besonders gefährlich: fjordähnliche Buchten mit Nord-Süd-Ausrichtung.
    • Klassische Fallböen-lnseln: Euböa, Kea, Andros, Tinos (in wenigen Jahren mehr als 30 Seenotfälle!), Pholegandros, Ios und Amorgos, Sifnos und Serifos, Kos.
    • Klassische Winddüsen: Durchfahrt zwischen Euböa und Andros (Driftströmung kann 7 Knoten erreichen!), Meerenge zwischen lkaria und Samos bis Phournoi-Archipel, Meerenge zwischen Paros und Naxos, Nordküste von Amorgos, Westküste von Karpathos.

Anzeichen für einen bevorstehenden Meltemi-Ausbruch (innerhalb von 24 bis 36 Stunden) in der zentralen Ägäis:

    • Für den Balkan und den Norden der Ägäis wird steigender Luftdruck erwartet.
    • Lockere Felder hoher Schäfchenwolken ziehen aus Südwest bis West über den Himmel.
    • Über dem Festland tauchen schon morgens und vormittags Blumenkohlwolken auf. In der Nacht ist Wetterleuchten im nördlichen Himmelsquadranten zu sehen (insbesondere im Frühjahr sowie im Herbst).
    • Kein Tau mehr auf Deck (nach einer mehrtägigen Phase mit Morgentau).
      Deutliche Sichtbesserung und steigender Luftdruck (mindestens 3 bis 4 hPa innerhalb von 12 Stunden).
    • Eine mehrtägige Starkwindperiode ist zu erwarten, wenn der Druck eine für das jeweilige Revier ungewöhnliche Höhe erklimmt (Richtwert: 1018 hPa und mehr).

Mistral - Westliches Mittelmeer

"Die weitaus stärksten Winde wehen im Golfe de Lion. Hier treten häufig starke und stürmische Winde auf, so daß dieses Seegebiet völlig aus dem Rahmen des übrigen Mittelmeeres fällt. Das ganze Jahr über weht hier ein mittlerer Wind, der stärker ist als 11 kn; im Februar ist er in Teilen des Golfe de Lion stärker als 25 kn (6 Bft.). Wie die Statistik zeigt, bläst der Mistral am häufigsten im Februar, am geringsten im Juni. Vom Löwengolf aus erstreckt sich eine Zunge stärkeren Windes nach Südosten ..."
(aus 'Klima und Wetter im Mittelmeer', Deutsches Hydrographisches Institut)

Die Rede ist vom berüchtigten Mistral, einem kalten Wind aus N bis NW.
Entstehung: Der Ausbruch eines Mistrals (oder auch der Bora an der kroatischen Küste) erfolgt sehr plötzlich. Wenn mit eine nordwest- bis nordöstlichen Strömung Polarluft ins Mittelmeer fließt, entstehen hier oft Tiefdruckgebiete, auf deren Nord- oder Westseite der Wind noch erheblich beschleunigt wird. Die Kaltluftmassen nehmen bevorzugt immer die gleichen Bahnen, da ihnen Gebirge wie Pyrenäen und die Alpen den Weg versperren. Häufig sind das Garonne-Carcassone-Tal oder das Rhone-Becken die bevorzugten Kaltluftstraßen. Begünstigend und verstärkend können ein Hoch über Zentralspanien und / oder ein Tief über dem Golf von Genua wirken.
Die typische Mistral-Konstelleation ist ein Hoch über der Biskaya und ein Tief im Golf von Genua. Wenn hier der Luftdruckunterschied 15 und mehr hp ausmacht, ist es so weit: Die Luft wird klar, und das Barometer steigt ein wenig. Jetzt hast du noch ein paar Stunden Zeit um abzuhauen. Die Intensität des Mistral ist im Frühjahr und Herbst am stärksten. Allerdings kommen auch immer wieder im Sommer Mistraleinbrüche vor.

Warnung: Strahlend weiße, linsenförmige Wolken auf azurblauem Himmel sind meist Vorboten eines schweren Mistral!

Cetin Sipahi vom Hochschulsegelclub Freiburg schreibt:
"Ein Seemannstraum ist: Kap Hoorn umrunden und dann sterben...".
Für einen Franzosen sieht dieser Traum so aus:
"Erst einmal den Mistral erleben, dann Kap Hoorn umrunden, erst dann kannst Du als stolzer Seemann weiterleben. Höhepunkt des Mistrals ist gegen vormittags. In der Nacht schwächt er sich ab. Während der Mistral tobt, darfst du niemals im Golf de Lion, der Westküste von Korsika oder Sardinien aufkreuzen. Wenn Du irgendwann in diesem Seegebiet von Mistral erwischt wirst, kann ich nur sagen: Gott helfe Dir".

Schlagworte

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Letzte Änderung: Dienstag, 03.04.2012   |   Erstellt von TYPO3-Beratung.com, Nürtingen/Stuttgart